WENN
WIR ZUSAMMEN SIND
Lorraine Levy – Regie & Drehbuch
Nach einem Abschluss in Kunst und Rechtswissenschaften gründete
Lorraine Levy 1985 das Theaterensemble La Compagnie de l'Entracte, dessen
Leitung sie übernahm. Sieben Jahre lang inszenierte sie jährlich
eine Aufführung und schrieb in dieser Zeit selbst diverse Stücke
bis sie zum Fernsehen wechselte. Mittlerweile ist sie als Drehbuchautorin
tätig und schrieb über zwanzig Fernsehfilme und -serien, hauptsächlich
Komödien. Derzeit wird ihr Drehbuch zum französischen TV-Historienfilm „Cartouche“ verfilmt.
2004 führte sie bei ihrem ersten Kinofilm „The First Time
I Turned 20“ (La première fois que j'ai eu 20 ans) Regie.
Ihr Drehbuch dazu wurde 2002 mit dem Grand Prix du Meilleur Scénariste
und 2003 mit dem Prix du Public du meilleur scénario des Premiers
Plans Filmfestival in Angers ausgezeichnet.
„Wenn wir zusammen sind“ ist ihr zweiter Kinofilm und basiert
auf dem gleichnamigen Roman ihres Bruders Marc Levy.
Interview Lorraine Lévy
Ihr zweiter Spielfilm ist auch Ihre zweite Romanverfilmung. Was finden
Sie in den Werken anderer, das Sie inspiriert?
Von Haus aus bin ich Drehbuchautorin. Ich habe 27 Drehbücher geschrieben,
viele fürs Fernsehen. Nur vier davon sind Adaptionen. Ich glaube,
das ist eine Frage des Zusammentreffens. Für meinen ersten Langfilm „La
première fois que j’ai eu 20 ans“ bin ich von den
ersten 20 Seiten des Buches ausgegangen – mit dem Einverständnis
der Autorin Susie Morgenstein. Da gab es eine beeindruckende heimliche Übereinstimmung
zwischen ihrer und meiner Welt. So sehr, dass ich das Gefühl hatte,
ich hätte ihr Buch schreiben und sie meinen Film drehen können.
Das war toll. Für „Wenn wir zusammen sind“ habe ich
das Buch ausgewählt, das mir von allen Romanen von Marc Levy am
besten gefällt. Ich habe mich augenblicklich in die Geschichte verliebt,
als mein Bruder mir die Druckfahnen zum Lesen gab. Es gibt in diesem
Episodenroman solch eine reizvolle Zärtlichkeit und Menschlichkeit … das
erinnerte mich an die „Stadtgeschichten“ von Armistead Maupin.
Als – lange Zeit danach – Dominique Farrugia und Marc mir
vorschlugen, den Stoff zu verfilmen, hat mich das sehr gefreut.
Sie hatten keine Furcht davor, den Roman ihres Bruders zu überarbeiten?
Doch, ich hatte Angst, ihn zu enttäuschen, und dass er sich künstlerisch
verraten fühlen könnte. Um so mehr, als ich sehr wohl wusste,
dass ich mich vom Buch lösen musste. „Wenn wir zusammen sind“ ist
ja ein Episodenroman, aber ich wollte keinen Episodenfilm drehen. Also
musste ich eine filmische Sichtweise für die Leinwandadaption finden.
Nun bedeutet aber bereits eine andere Sichtweise einen Verrat am Buch.
Marc hat mir große Freiheiten gelassen. Das war eine stillschweigende
Vereinbarung zwischen uns. Am Anfang gab es ein nicht fertiggestelltes
Drehbuch von Marc und Philippe Guez (seinem Freund und dem ausführenden
Produzenten des Films). Ich entschied mich, wieder vom Buch auszugehen,
da das viel einfacher für mich war. Von dem Moment an, als Marc
meine erste Version des Drehbuchs mochte, hat er sich nicht mehr in die
Versionen, die danach folgten, eingemischt. Er vertraute mir. Er ist
zum Dreh nach London gekommen. Er hat eine sehr respektvolle Distanz
gewahrt, vielleicht gerade weil er mein Bruder ist und weil er nicht
in mein Revier vordringen wollte. Er war sehr feinfühlend. Als ich
ihm die Rohschnitte zeigte, war er glücklich. Ich glaube, er ist
sehr zufrieden mit dem Ergebnis.
Was wollten Sie vom Buch behalten und was wollten Sie ändern?
Ich wollte das bewahren, was ich am Buch meines Bruders liebe: die Menschlichkeit
der Figuren. Allerdings ich wollte ich an ihnen noch etwas betonen, das
mich mehr interessiert: ihre Widersprüchlichkeiten.
Die Geschichte von „Wenn wir zusammen sind“ ist die einer
Freundschaft. Denken Sie bereits beim Schreiben an die Schauspieler,
die diese Freundschaft darstellen sollen?
Ich habe beim Schreiben sofort an Vincent Lindon gedacht, der dem Projekt
und der Geschichte bereits verbunden war. Die Idee, das Buch zu verfilmen,
existiert schon seit einigen Jahren. Ich war absolut der festen Überzeugung,
dass niemand außer Vincent Lindon Mathias spielen kann. Die zweite
Figur, die sich mir sofort aufdrängte, war Bernadette Lafont, die
meine Vorstellung von Yvonne, die im Film so fantastisch ist, vollständig
erfüllte. Als sie ja sagte, war ich sehr erleichtert.
Hat das Lesen Ihres Drehbuchs Vincent Lindon darin bestätigt, bei „Wenn
wir zusammen sind“ mitspielen zu wollen?
Ja, Vincent hatte Lust, diesen Film zu machen. Aber Vincent ist niemand,
der sich mit einer Zusage begnügt. Er stellt sich immer wieder in
Frage, er stellt andere immer wieder in Frage, so dass alles sehr bewegend
und beweglich ist. Die Arbeit geht andauernd und ohne Pause wieder von
vorne los. Vincent ist wie ein Wildpferd - er erinnert mich sehr an Montgomery
Cilft. Er ist jemand, der sich immer in Gefahr begibt. Er ist außerordentlich
mutig und immer in Bewegung. Auch ist er jemand, der von anderen eine
wilde Energie fordert. Er ist ein großartiger Schauspieler.
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