SWING

Die Musik

Swing! Swing? Ein Begriff mit solch einer Dynamik wurde lange nur mit dem Jazz "made in USA" und prägnanten Rhythmen verbunden. Doch schon seit einiger Zeit kann man ohne Übertreibung behaupten, daß der Jazz Manusch, begründet vom großen Gitarristen Django Reinhardt (1910-1953), nicht nur Teil der Sinti- und Roma-Kultur, sondern auch für sog. "gadjés", also für Nicht-Sinti oder Nicht-Roma, Bestandteil des Musikuniversums geworden ist.
Dieses Konzept des ‚Jazz Manusch' trifft heute auf ein breites Interesse, genauso wie der Flamenco. Er wird nicht mehr als Randphänomen betrachtet, sondern wie eine spezifische Jazzrichtung anerkannt. Man mißt dem Jazz Manusch heutzutage Charme und Tiefe bei und dies über den Mythos von "Django" hinaus: diese Legende Kunst des großen Musikers, die allzu lange das Innovative der in den Schatten stellte, in die sich auch eine verwirrende Faszination für das Exotische der Figur mischte. Dieser ungewöhnliche Musiker hat über ein schweres physisches Handicap triumphiert - beim Brand seines Wagens im Jahre 1928 wurde ein Teil seiner linken Hand verstümmelt. Erst jetzt aber scheint man das große Talent dieses Improvisationskünstlers gänzlich wahrzunehmen.
Zwar steht der Jazz Manusch immer noch etwas am Rande des Jazz - aufgrund der eigenartigen chromatischen Schwingungen seiner Melodien, des lyrischen Dufts seiner Töne und dieser Gabe, Musik, in einem populären Bereich entstehen zu lassen, wo es sie ansonsten kaum gibt. Diese Musik fasziniert mehr und mehr Seelen, die reine Musik verehren. Endlich entdeckt man große Solisten wie Joseph Reinhardt, die Brüder Ferret oder Tchantchou und Bousquet, während die Gesangwelt - nach den bekannten Beispielen von Trenet, Sablon, Montand, Verrières oder Mouloudji - sich wieder unter dem Einfluß der eigenartigen "Gypsienote" befindet, was man am Beispiel von modischen Bands wie Paris Combo oder San Severino, die heute im Trend sind, beobachten kann.
Gleichzeitig beobachtet man unter der Bevölkerung mit Sinti- oder Roma-Abstammung ein Erwachen vielfältiger Musiktalente, sei es für Gitarre, Geige oder Akkordeon. Es handelt sich um so unterschiedliche Musiker wie Tchavolo Schmitt, Mandino Reinhardt, Bireli Lagrene, Moreno, Christian Escoudé, Boulou Ferré oder Babik Reinhardt. Alle ähneln sich in ihrer Ausdruckskraft, funkelnden Poetik und den Hang zum Improvisieren. Diese Sinti- oder Roma-Gitarristen, die offensichtlich alle von Django träumen, zeugen jedoch gleichzeitig von einer großen Vielfalt an Stilen und Spielweisen. Das fängt an mit der verführerischen Evokation des französischen Streichquartetts Hot Clubs, in den Django Reinhardt und der Violinist Stéphane Grapelli von 1934 bis 1948 spielten, die so schwebend und ‚swingend' ist, geht bis zum "amerikanischeren" Be-Bop in den späten Jahren des großen Meisters, und geht von den akrobatischen musikalischen Interpretationen der Virtuosen dieses Bereichs, bis zu den liberaleren Tendenzen des Modern Jazz.
Man kann sich fragen, wer dem Geiste des großen Meister am treuesten ist. Sind es die, die sich der Perfektion seiner Spielweise anzunähern versuchen oder die, die, indem sie sich in die Spielarten des heutigen Jazz vertiefen, sich seiner musikalischen Haltung nähern? Oder sind es sogar die, die versuchen, eine eigene Ausdrucksweise zu finden? Aber im Grunde genommen ist dies nur eine nebensächliche Frage solange man mit den allerersten Noten von diesem kleinen Etwas ergriffen wird, von diesem so eigenen Anschlag, von dieser speziellen Spielweise, die vielmehr als eine Stilähnlichkeit ihre unterschiedlichen Vertreter verbindet.
Schließlich ist der Jazz Manusch keinesfalls ausschließlich eine ethnische Kunstform, die außerhalb der Sinti und Roma keine Ausbreitung findet, wie manche behaupten, sondern sie übt eine immer stärkere Faszination auf die "Gadjo-Gitarristenmilieus" aus. Neben dem Zauber an sich, den diese brillante Technik verbreitet, setzt sich auch die Entdeckerfreude eines bislang unerforschten Universums durch. In diesem machen die lyrische Ausdrucksform, die harmonische Bereicherung und die rhythmische Strenge aus Django Reinhardt eine der bedeutendsten Figuren der Jazzmusik und den Gründer des Jazz Manusch überhaupt.
Alain Antonietto, Übersetzung aus dem Text "Etudes Tzinganes"

Schlaf, Kleine, schlaf,
Komm und auf diesen Teppich, leg dich zum schlafen hin,
Komm und schlaf in meinen Armen ein,
Bald wird meine Sonne kommen.
In uns wird ihre Liebe aufsteigen.
Schlaf, Kleine, schlaf,
Komm und auf diesen Teppich, leg dich zum schlafen hin,
Bald wird dein Vater kommen,
Mit dem Kern seiner Sonne.
Für dich haben seine Augen einen Schal gesponnen,
Eine warme Kleidung für den Winter.
Komm sanfter Vogel,
Deine schwarzen Haare glänzen.
Der, der dich liebt, wird dich umarmen.
Der, der dich anschaut, wird sich entfalten.

"Nami nami ya srira"
(Marcel Khalife)

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Kommt, wir werden verreisen
Wir reden schon so lange davon
Endlich sind wir alle zusammen
Endlich spielen wir Musik,
Tanzen und trinken wir
Schaut!
Unsere Familie kommt an
Wir haben uns schon so lange
Nicht mehr gesehen
Laßt uns sie willkommen heißen
Laßt uns ein großes Feuer anzünden.

Hélène Mershtein.