Son de Mar
Produktionsnotizen von Bigas Luna
Jedesmal wenn ich den Titel "Son de Mar" irgendwo aufschreiben
soll, überlege ich, nur "Son" zu schreiben, denn das ist
kurz und auffallend, aber wenn ich es dann schreibe kann ich nicht anders,
als "de Mar" hinzuzufügen.
Ich kann ohne das Meer nicht leben. Meine Beziehung zum Meer ist wie meine
Beziehung zur Leidenschaft: ich kann ohne sie nicht leben. Aber die Liebe,
die ich fühle, wird zur Panik wenn ich tatsächlich auf dem Meer
bin - genauso ergeht es mir auch mit der Leidenschaft. Ich habe Achtung
vor unerwarteten Stürmen - ich ziehe Uferlinien, Sinnlichkeit und
die Sonne vor. Wenn sich Wolken zusammenbrauen, beobachte ich lieber den
Sturm aus der Sicherheit meines Hauses. Die Stürme, die mich auf
offener See überrascht haben, werde ich nie vergessen: sie haben
mich völlig fertig gemacht.
Son de Mar ist die Geschichte eines Sturmes, einer dieser stürmischen
Leidenschaften, die wir alle suchen - aber wenn man eine findet, dann
sollte man besser eine Rettungsweste tragen.
Das
Meer ist einer der Hauptdarsteller des Films - Martina ist das Meer,
sie ist das Wasser. In einer Szene sagt Ulises zu ihr: deine Brüste
erinnern mich an das Meer. Wie die Liebe ist das Meer zugleich großartig
und einfach. Der Film versucht, diesen Geist aufzufangen, genauso zu sein.
Ich bin sehr mediterran, und ebenso sehr minimalistisch. Für mich
bedeutet Perfektion, am Strand entlang zu gehen, rechts das Meer und links
die Klippen. Aber gleichzeitig habe ich Angst vor dem Meer, ich bin eine
Landratte im Herzen. Als wir während der Dreharbeiten auf dem Meer
waren, konnte ich das nicht genießen - ich respektiere das Meer.
Meine ersten Filme Caniche und Angustia waren sehr dunkel. Jamón,
jamón begann mit einer Szene, die ich rot nenne. Son de Mar scheint
mir eine weiße Phase in meinem Schaffen zu sein. Ich versuche mittlerweile,
mich zur Leidenschaft hinzubewegen. Son de Mar ist ein solcher Film -
ich scheine leichter und leichter zu werden. Und das stimmt insbesondere
nach Son de Mar.
Wichtig an Son de Mar ist, dass hier die Geschichte zweier Menschen erzählt
wird, die Opfer der Liebe sind - ich sage ausdrücklich nicht Opfer
der Leidenschaft. Nein, es ist eine Liebe, die sie nicht kontrollieren
können. Eine Liebe, die sie auch nach dem Tod noch füreinander
bestimmt. Ich habe versucht, diese romantische Sicht der Dinge so kraftvoll
wie möglich in Son de Mar darzustellen.
Verliebte sind fähig, das Leben anderer aus Liebe zu zerstören
- das ist das, was ich am meisten an der Geschichte mag. In ihr ist die
Liebe stärker als die Moral der Charaktere. Ich habe versucht, diese
Geschichte mit aller Leidenschaft zu erzählen, um dies wieder wettzumachen,
wie das Ende gut zeigt.
Bigas Luna
"Sag Martina, sie hat die Wahl: Entweder sie kehrt zu den Lebenden
zurück oder sie bleibt bei den Toten. Sie entscheidet."
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