Produktionsnotizen

Die Herausforderungen, denen sich der Autor und Regisseur Darren Aronofsky zu stellen hatte, zeigen viele Parallelen zu denen seines Protagonisten Max Cohen. Aronofsky versuchte das scheinbar Unmögliche: einen schnellen, außergewöhnlichen Science Fiction-Thriller zu schaffen, dem lediglich das Budget und die Möglichkeiten eines Independent-Films zur Verfügung stehen. So wie Max in der Lage ist, die unendlichen mathematischen Möglichkeiten in einer Tasse Kaffee oder an Blättern eines Baumes zu entdecken, so mußte Aronofsky seine beschränkten finanziellen Mittel als eine künstlerische Herausforderung ansehen. Es galt, die verschiedenen Ideen und Einflüsse in ein homogenes Resultat zu verwandeln.
Der in Brooklyn geborene 30-jährige Aronofsky besuchte Harvard und das Amerikanische Filminstitut (AFI). Verschiedene Einflüsse aus dem Bereich der Science Fiction inspirierten ihn, während er die Story entwickelte: von den traumhaften Bilderwelten japanischer Animationsfilme bis hin zu den gut getroffenen, intelligenten Figuren aus Rod Serlings "The Twilight Zone". Der Regisseur versuchte, progressive Konzepte des Erzählens von Science Fiction-Geschichten mit den zeitlosen moralischen Fragen der Faustischen Legende sowie der griechischen Mythologie zu verbinden.
Dazu kamen auch Einflüsse aus seinem eigenen Leben. Nach dem Abschluß der Highschool reiste Aronofsky nach Israel und schloß sich einem Kibbuz an. Dort sollte er in einer Kunststoff-Fabrik arbeiten; bereits nach zwei Tagen machte er sich jedoch davon. Als er durch Jerusalem streifte, traf er auf Mitglieder einer chassidischen Sekte, die ihn auf die Bedeutung von Zahlen in der Hebräischen Sprache aufmerksam machten, aber erfolglos versuchten, ihn als Mitglied zu gewinnen. Nach seiner Rückkehr in die USA stellte er fest, das viele seiner Freunde als Börsenmakler an der Wall Street arbeiteten. Diese ganz eigene Welt erschien ihm ein geeigneter Stoff für einen Film.
Sein wichtigstes Anliegen blieb jedoch, einen Film zu drehen, der Fragen stellt über die Welt, in der wir leben. Eine Welt, die uns ständig zwingt, technologischen Fortschritt mit den zeitlosen Geheimnissen der Welt zu vereinbaren. "Das fängt schon beim Titel an." sagt Aronofsky. "Viele Leute fragen: Was bedeutet das? Von dem Punkt an wirft der Film eine Frage nach der anderen auf, genau wie die Frage, die wir uns stellen, seit Beginn der Menschheit: Warum sind wir hier? Der Unterschied heute ist, daß wir uns im digitalen Zeitalter befinden, das ist der Kontext für die Suche von Max."
Im Gegensatz zu Max versuchte Aronofsky jedoch nicht, sein Ziel allein zu erreichen. Nach einem dreijährigen Aufenthalt beim AFI verbündete er sich nach seiner Rückkehr in New York mit Eric Watson, der zum ersten Mal einen Spielfilm produzierte. Das Budget von 60.000 Dollar, das sein Drehbuch erforderte, kam durch eine originelle Lösung zusammen. Freunde und Familienmitglieder unterstützten die Filmemacher mit 100-Dollar-Anteilen. Diese versprachen den Investoren, dass sie pro Anteil 150 Dollar zurückbekämen, sollte ihr Film Geld einspielen. Konsequenterweise wird jeder einen Scheck erhalten. Was die Schauspieler und die Filmcrew anging, erhielt jeder, vom Produktionsassistenten bis hin zu Aronofsky selbst das gleiche Honorar: pro Tag ein nicht sofort ausbezahltes Gehalt von 200 Dollar, plus einen gleichen Anteil von 50 Punkten auf das eventuelle Einspielergebnis des Films. "Dadurch", erzählte Aronofsky, "wurde für alle Mitarbeiter p zu ihrem eigenen Film. Wir alle wollten, dass p großartig wird und standen leidenschaftlich hinter dem Projekt."
Als Drehort wählte man eine verlassene Fabrikhalle für Beleuchtungskörper in Bushwick, Brooklyn, die dem Vater des Ko-Produzenten gehörte. Aronofskys Mutter Charlotte stellte Gemälde zur Verfügung, und sein Vater Abraham spielte einen der Schläger. Kleinere Rollen wurden hauptsächlich mit Freunden und Familienmitgliedern besetzt, so dass die gesamte Produktion zu einer "Familienangelegenheit" wurde.
Die größte Herausforderung für die Filmemacher bestand jedoch darin, mit den Beschränkungen umzugehen, denen sie durch den geringen Etat ausgesetzt waren. Ihr Ziel war, mehr als einfach nur einen intelligenten Film mit schmalem Budget zu realisieren. Er sollte auch visuell und kinetisch aufregend werden. Deshalb drehte Kameramann Matthew Libatique auf einen Positiv-Schwarzweiß Filmmaterial, dass zwar sehr schwierig zu belichten und zu bearbeiten ist, aber genau die dramatischen Kontraste erschafft, die für den Kontext der Geschichte notwendig waren. "Die meisten Schwarzweißfilme sehen am Ende grau aus, " sagt Aronofsky. "Wir wollten einen Film, der schwarz oder weiß ist. Einen, der so hochstilisiert wirkt wie ein Foto."
Sie beschlossen außerdem, die Story aus einer subjektiven Perspektive zu erzählen, um den Zuschauer in die aufgewühlte Gedankenwelt des Protagonisten hineinzuziehen. Damit der gesamte Film aus der Perspektive von Max gedreht werden konnte, tüftelten Aronofsky und Libatique eine Reihe von ungewöhnlichen Einstellungen aus, für die sie die Kamera umbauten. Darunter war ein Apparat, den sie am Körper des Hauptdarstellers Sean Gulette für einige Schlüsselszenen befestigten, eine "Heat-Cam", die vor dem Objektiv kleine Hitzewellen erzeugte, und eine "Vibrator-Cam", die man für den gesamten Film einsetzte, um einen "Ruckel-Effekt" zu erzeugen. Dieses Engagement für Subjektivität zeigt sich bei allen Aspekten der Produktion, vom Schnitt bis zur Ausleuchtung und Musik.
Den Charakter von Max erarbeiteten Aronofsky und Gulette gemeinsam über einen Zeitraum von acht Monaten. Sie gaben den Motivationen von Max Gestalt, indem sie sicherstellten, dass sein Ausstieg zur Erkenntnis und sein gleichzeitige Fall in den Wahnsinn in der komplexen Struktur der Geschichte nicht verloren ging.
Für das Produktionsdesign wandte sich Aronofsky an den Bühnenbildner Matthew Maraffi, dessen Modell für "Euclid", den Supercomputer von Max, ebenso einfallsreich ist wie sein sparsames und Assoziationen heraufbeschwörendes Bühnenbild für den Broadway Erfolg "Rent". Für die Konstruktion von "Euclid" benötigten Maraffi und Gulette Tage, um die fast zwei Tonnen zusammengesuchter Computerteile für den "live-in Computer" zusammenzusetzen. Für Maraffi war dies eine Herausforderung als Produktionsdesigner, Gulette half es, den Charakter der Figur besser auszuarbeiten.
Aronofsky wußte: Diese einzelnen Elemente mußten zu einem runden Ganzen zusammengefügt werden, wenn er sein Ziel erreichen wollte, das Genre des Science-Fiction-Thrillers in eine Richtung zu führen, wie sie der Zuschauer noch nie vorher gesehen hat. "Ich glaube, das Publikum hat schon alles in die Luft fliegen sehen - Raumschiffe, den Death Star, gigantische Insekten, die Erde. Was die Leute jetzt interessiert, ist die Erforschung von Gefühlen, was in einem Menschen vorgeht, die Innenwelt. Outer space (der Weltraum) ist tot. Inner space heißt die nächste Reise."