IT MIGHT GET LOUD

Interview mit Regisseur und Produzent Davis Guggenheim

Was war Ihre erste Reaktion, als Thomas Tull von der Produktionsfirma Legendary Pictures Sie auf IT MIGHT GET LOUD angesprochen hat?

Thomas lud mich in sein Büro in Burbank ein - ich konnte mir zunächst überhaupt nicht vorstellen warum. Ohne zu zögern fing er dann aber an, absolut begeistert über die E-Gitarre zu sprechen, wie einzigartig dieses Instrument ist, und dass noch nie jemand einen Film darüber gemacht hätte. Er redete über den ungeheuer großen Einfluss, den die E-Gitarre auf ihn und die ganze Gesellschaft ausgeübt hat.

Ohne es zu merken, war ich sehr schnell von seiner Begeisterung und seiner Idee angesteckt, das Thema einmal ganz anders anzugehen. Die Geschichte des Instruments ist hinreichend erforscht, die meisten Rock-Dokus konzentrieren sich aber auf Autowracks und Überdosen; oder sie zeigen meist einen bestimmten Musiker ganz pauschal als „Gott“ und wie er „die Musik für immer verändert hat“...

So etwas wollten Thomas und ich nicht. Wir wollten uns darauf konzentrieren, Geschichten zu erzählen und den Weg zu zeigen, den die Künstler gegangen sind. Wir wollten ein bisschen tiefer unter die Oberfläche gehen.

Gibt es bestimmte Szenen im Film, die Sie besonders mögen?

Sehr viele. Wir haben in Jimmy Pages Haus außerhalb Londons gedreht – was er vorher noch nie jemandem erlaubt hat –, und plötzlich zieht er seine Lieblingsplatten heraus und spielt sie uns vor. Das waren Aufnahmen, die er sich als junger Musiker angehört und von denen er viel gelernt hat. Es war unglaublich, ihm dabei einfach zuzusehen – und dann fing er auch noch mit dem Luftgitarrespielen an! Ein anderes Mal spielte Jimmy uns vorab zwei Stücke vor, an denen er gerade schrieb – beide landeten schließlich im Kinofilm.

Jack haben wir in Austin, Texas, gefilmt. Dabei spielte er dieses absolut irre Gitarrensolo. Durch die Kamera habe ich gesehen, dass er so konzentriert war und so aggressiv spielte, dass er gar nicht bemerkte, dass seine Hand blutete. In Tennessee baten wir Jack dann, einen Song eigens für unsere Kamera zu komponieren und aufzuschreiben. Er hat das getan, einfach so vor uns... So etwas habe ich vorher noch nie gesehen.

Und The Edge nahm uns mit in das Klassenzimmer, in dem er und der Rest von U2 sich kennen gelernt haben und als 16-17jährige probten. Es war ein ganz normales High School-Klassenzimmer – sie trafen sich zum Üben und mussten die ersten zehn Minuten erstmal die Tische zur Seite räumen, bevor sie anfangen konnten.

Welches war die größte Herausforderung bei den Dreharbeiten?

Die Geschichten der drei miteinander zu verbinden. Jeder von ihnen entstammt seiner eigenen Generation, hat eigene Wurzeln, eigene Vorstellungen – und manchmal stehen sie in direktem Konflikt zueinander. Ich war intuitiv der Meinung, dass es interessant wäre, die Geschichten miteinander zu verstricken, geriet aber immer wieder in Panik, weil ich das Gefühl hatte, dass ich das niemals hinbekommen würde.

Wie lange dauerten die Dreharbeiten?

Produzentin Lesley Chilcott und ich verbrachten sehr viel Zeit damit, den Jungs zwischen London, Nashville und Dublin hinterher zu fliegen. Manchmal waren wir ein ganz kleines Team, sehr intim. Ein anderes Mal hatten wir einen riesigen Dreh auf einer der größten Bühnen Hollywoods. Mit sieben Kameras, unseren drei Rockstars, all ihren Gitarren und der Crew – es war wie in einem Zirkus mit drei Manegen. Ich werde niemals den Gesichtsausdruck unserer Team-Mitglieder vergessen, als Jimmy Page, The Edge und Jack White ihre Verstärker aufdrehten und gemeinsam zu spielen begannen.

Was ich so liebe an diesem Film, und was ihn so einzigartig macht, ist seine Bandbreite. Von Edge allein spät nachts in seinem Studio, bis hin zur gemeinsamen Session der drei, bei der sie mit voll aufgedrehter Lautstärke ein Led Zeppelin Stück spielen, und die Kameras jeden Winkel des Raums einfangen.

Was, hoffen Sie, werden die Zuschauer aus diesem Film mitnehmen?

Ich hoffe, sie werden von diesen Typen genauso hingerissen sein wie ich es bin. Nicht nur als Rock-Stars, das ist einfach. Sondern auch als Menschen und Künstler, die ihre ganz persönlichen Erfahrungen in ihrer Musik ausleben: wunderschön, wild, direkt, aus dem Bauch heraus, fast wie von einer anderen Welt. Und ich hoffe, dass die Zuschauer ein bisschen etwas von der kindlichen Begeisterung spüren, die Thomas in mir ausgelöst hat, als wir uns das erste Mal trafen.