LONG WALK HOME

Geschichtliche/politische Hintergründe - The Stolen Generations

Bis in die 70er Jahre erlaubte ein "Allgemeines Kinderfürsorgegesetz" (General Child Welfare Law), Aborigine-Kinder, vor allem Mischlingskinder gewaltsam ihren Familien zu entreißen, um sie in staatlich oder kirchlich geführten Heimen umzuerziehen und ihre Assimilierung in die weiße Gesellschaft zu erzwingen. In seltenen Fällen wurden sie auch zur Adoption freigegeben. Ihnen wurde jeder Kontakt zu ihren Familien, zu ihrem Volk, zu ihrer Kultur untersagt. Sie wurden zu Hausangestellten und Farmarbeitern ausgebildet und dienten den Weißen als billige Arbeitskräfte. Ziel dieser Politik war es, ihren Aborigine-Rassenanteil von Generation zu Generation zu vermindern, so dass sie eines Tages in die weiße Gesellschaft, wenn auch auf unterster Stufe, integriert werden könnten.
Erst die Veröffentlichung der noch von der linken Labour-Regierung eingesetzten Kommission für Menschenrechte und Gleichberechtigung HREOC im Jahr 1997 offenbarte das Ausmaß und die Folgen der Zwangsassimilierung. Ihr Bericht "Bringing Them Home" belegt: von 1910 bis 1976 wurden schätzungsweise 100.000 Kinder verschleppt. In manchen Generationen war jedes zehnte Kind betroffen, in anderen jedes dritte Kind. Aber jede Aborigine-Familie ist betroffen. 535 Betroffene schildern in dem Bericht ihr zerrissenes Leben. Die Kommission führt den traurigen Zustand, in dem sich das Volk der Aborigines heute befindet, ihre Entwurzelung, ihren Alkoholismus, ihren Selbsthass auf diese Maßnahme der weißen Herrscher zurück und erhebt in diesem Zusammenhang den Vorwurf des Genozids.

Heute nennt man diese Kinder "The Stolen Generations". Die Kommission erstellte einen Katalog mit 54 Ratschlägen, darunter den öffentlichen Zugang zu den Akten und die verstärkte Unterstützung bei der Familienzusammenführung. Noch 1997 wurde eine Entschädigung von insgesamt $63 Millionen als Wiedergutmachung beschlossen. Die Mittel aber flossen in den darauffolgenden Jahren nur sehr zögerlich, und noch heute warten viele Opfer vergebens. Der Empfehlung, einen nationalen Fonds einzurichten, wurde nicht gefolgt. Auch die Empfehlung der Kommission, sich offiziell gegenüber den Opfern und ihren Familien zu entschuldigen, wurde von der Regierung bis heute nicht wahrgenommen.

(Quelle: Gesellschaft für bedrohte Völker, HREOC u.a.)