LILJA 4-EVER

"Das Schicksal der 16-jährigen Lilja rührt uns an und rüttelt auf - leider ist es kein Einzelfall. Nicht nur Schweden, auch Deutschland gehört zu den Hauptziel- und Durchgangsländern des Handels mit Mädchen und Frauen aus Osteuropa. Viele von ihnen werden mit falschen Versprechen ins Land geholt und mit Brutalität und Drohungen zur Prostitution gezwungen. Ohne Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigung sind sie rechtlos. Ohne Kenntnisse über das Land und ohne jede Unterstützung, haben sie kaum eine Chance, der Gewalt und Ausbeutung zu entkommen. Die Beratungsstellen der Diakonie für Opfer von Menschenhandel und für Prostituierte in Notlagen bieten konkrete Hilfe und Unterstützung für diese Frauen und Mädchen an. Aus unserer fachlichen Sicht können wir diesen hervorragenden Film nur begrüßen. Er ist unglaublich sensibel und wahrhaftig gedreht und sehr empfehlenswert. Lilja 4-ever unterstreicht auf eindrucksvolle Weise die Notwendigkeit, die Hilfe für die Betroffenen zu intensivieren."

Rosemarie Daumüller, Vorsitzende der AG Prostitution und Menschenhandel im Diakonischen Werk


Das Geschäft mit Menschen

"Menschenhandel darf nicht ausschließlich aus Sicht der nationalen Sicherheit betrachtet werden; er darf nicht lediglich aus dem Blickwinkel nationaler Schutzinteressen wahrgenommen werden; er darf nicht einzig als Kampf gegen das organisierte Verbrechen und die illegale Einwanderung gesehen werden.
Menschhandel ist zuerst und vor allem ein Verstoß gegen die Menschenrechte."

Trafficking in Human Beings in Southeastern Europe, Bericht von UNICEF, UNOHCHR, OSCE-ODHIR, 2002

Im November 2001 zog Pino Arlacchi, stellvertretender UN-Generalsekretär und verantwortlicher Direktor des Büros für Drogenkontrolle und Verbrechensverhütung, in einer Rede an den ständigen Rat der OSZE in Wien eine ernüchternde Bilanz:
Im Laufe des vergangenen Jahrzehnts ist der Menschenhandel die sich am schnellsten entwickelnde Form von organisiertem Verbrechen geworden. Nach Drogen- und Waffenhandel stellt der Handel mit Menschen die drittgrößte Einnahmequelle des organisierten Verbrechens dar. Im Gegensatz zu Drogen, die einmalig verkauft werden können, bietet die menschliche Ware größeren Profit bei zugleich geringerem Risiko. Anna Diamantopoulo, EU-Kommissarin für Beschäftigung und Soziales, schätzt den Profit, der "sich aus dem wiederholten Handel mit einer einzigen Frau erzielen lässt", auf eine Viertelmillion US-Dollar. Die sexuelle Ausbeutung ist heute die lukrativste Art des Menschenhandels. In der Grauzone des Verborgenen und Tabuisierten hat sich eine Prostitutionsszene entwickelt, die für ihre Drahtzieher riesige Gewinne abwirft. So wird geschätzt, dass die Menschenhändler jährlich zwischen 7 und 13 Milliarden US-Dollar allein in Europa verdienen. Gleichzeitig ist die Chance, ungestraft davonzukommen, für diese Akteure ungleich größer als beispielsweise beim Drogengeschäft. Menschhandel ist ein Kontrolldelikt, d.h. Kenntnisse über den Menschenhandel beruhen fast ausschließlich auf polizeilichen Kontrollen im einschlägigen Milieu. Anzeigen durch die Opfer sind aufgrund ihrer oft prekären Situation (psychische und physische Bedrohung durch die Täter, Sprachprobleme, illegaler Aufenthalt im Ankunftsland etc.) die Ausnahme.
Daher weichen die Statistiken erheblich voneinander ab, aber alle offiziellen Stellen sind sich darüber einig, dass die jeweiligen Zahlen aufgrund der schwer einschätzbaren Dunkelziffer wahrscheinlich sehr viel höher liegen.
So gehen die Europäische Kommission und UNHCR davon aus, dass jährlich weltweit ca. 700.000 Frauen und Kinder verschleppt werden (andere Quellen der UN sprechen sogar von 4 Millionen). Davon gelangen ca. 120.000 Frauen und Kinder in die Staaten der Europäischen Union. Man schätzt, dass sich zur Zeit ca. 500.000 Frauen als Opfer von Menschenhändlern in Westeuropa aufhalten. 75% dieser Frauen sind jünger als 25 Jahre, viele von ihnen sind minderjährig. Laut Bericht "Lagebild Menschenhandel 2002" des BKA kommen mittlerweile 87,3% dieser Frauen und Kinder aus den ehemaligen Ostblock-Staaten und GUS-Ländern.

Menschenhandel ist Parasitismus und seine Erscheinungsformen sind sehr vielfältig (neben Frauenhandel hier nicht genannt Zwangsarbeit, Kindersoldaten, Adoptionshandel, Kinderpornographie oder Prostitutionstourismus), aber wie bei jeder Handelsform richtet sich bekanntermaßen das Angebot nach der Nachfrage.


Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter:

AG Prostitution und Menschenhandel im Diakonischen Werk
www.diakonie-menschenhandel.de

Die Aktion der evangelischen Kirchen mit den Menschen in Mittel- und Osteuropa
www.hoffnung-fuer-osteuropa.de

UNICEF / UNOHCHR / OSCE-ODIHR, Bericht "Trafficking in Human Beings in Southeastern Europe" (2002)
http://www.unhchr.ch/women/focus-trafficking.html
http://www.unhchr.ch/women/trafficking.pdf

United Nations Convention against Transnational Organized Crime vom 02.11.2000
www.unodc.org/unodc/en/crime_cicp_convention.html

Die Baltic Sea Task-Force on Organized Crime besteht aus allen zehn Ostseeanrainerstaaten (Deutschland, Dänemark, Estland, Finnland, Lettland, Litauen, Norwegen, Polen, Russische Föderation und Schweden) www.balticseataskforce.dk

Bundeskriminalamt www.bka.de

Terre des femmes e.V. www.terre-des-femmes.de

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