LEMON TREE

Anmerkung des Regisseurs ERAN RIKLIS

Der Nahe Osten unterliegt ständiger Veränderung. Aber eigentlich auch wieder nicht. In regelmäßigen Abständen verwendet man Schlagworte wie Hoffnung, Optimismus, Pessimismus, Durchbruch, neue Horizonte, ein neuer Tag, die Zukunft, die Vergangenheit, um die Lage dieser Krisensituation zu beschreiben. Und Bäume verfolgen die Handlungen der Menschheit als stumme Zeugen. Wobei die meisten bei dieser Gegend eher an Olivenbäume denken. Diese Geschichte aber handelt von Zitronenbäumen, die zum nationalen Sicherheitsrisiko werden – eine ungewöhnliche Bezeichnung im Zusammenhang mit Zitronenbäumen...

Der Film Die syrische Braut zeigte schon recht viel von meiner Sicht auf die Umstände, so wie ich sie erlebt und als Filmemacher und Bürger Israels beobachtet habe. Aber diese Themen verfolgen mich in vieler Hinsicht einfach immer weiter, und als ich die Geschichte Salmas Krieg schrieb, fügte ich mich und beschloss, noch einmal einen Film zu machen, der über meinen bisherigen Blick auf den Wahnsinn Nahost - auf allen Ebenen - hinausgehen und möglicherweise das letzte Statement meinerseits zu dieser Frage sein würde (aber man soll niemals nie sagen...).

Das klingt jetzt sehr ambitioniert – aber LEMON TREE ist eine einfache Geschichte über Menschen, die mit Problemen kämpfen, die sich eigentlich schnell lösen ließen, sofern die Menschen sich gegenseitig zuhören würden. Einfache Erwartungen sind jedoch ein großer Schritt, das zeigt sich in vielen Teilen dieser Welt und der aufgeheizten Situation speziell dieser Region. Ganz zu schweigen von der Last der Vergangenheit, der Religion, der blutigen Auseinandersetzungen, all der ewigen Themen, die die Lage nicht gerade vereinfachen ...

Aber bei allem gebührenden Respekt zu dem Thema - hier handelt es sich um einen Film über Einsamkeit am Beispiel des Lebens zweier Frauen: Salma auf der palästinensischen Seite und Mira, die Frau des Verteidigungsministers, auf der israelischen Seite. Und das hat mich wohl angezogen sowie die anderen Charaktere, die in die Geschichte verstrickt sind und die sich mit so vielen Themen und Problemen herumschlagen; aber alle leiden irgendwie an ihrer Einsamkeit als Teil ihrer Lebens – auf persönlicher und nationaler Ebene.

Und ähnlich wie bei Die syrische Braut und Cup Final gefällt mir wieder diese absurde Mischung aus Humor und Drama, Tragödie und Komödie (ein bißchen zumindest...), und das unmögliche Chaos, das die bunte und doch so dunkle Geschichte Israels und Palästinas in sich trägt.