INNOCENCE – ERSTE LIEBE - ZWEITE CHANCE

Produktionsnotizen

Der Film

INNOCENCE ist der achtzehnte Spielfilm von Paul Cox. Fünf Wochen dauerten die Dreharbeiten im süd-australischen Adelaide und im belgischen Antwerpen. Das Drehbuch zu INNOCENCE schrieb Paul Cox während der Produktion von „The Hidden Dimension“, einem in Kanada gedrehten IMAX-Film.
„Wir hatten einige Probleme mit der IMAX-Kamera, so dass ich die Zeit zum Schreiben nutzen konnte. Entstanden ist eine kleine, intime Geschichte, die diametral zu dem IMAX-Film stand, an dem wir gerade arbeiteten. Ich empfand es als angenehme Balance zwischen den Extremen. INNOCENCE beinhaltet das, was sich in jedem meiner Filme wiederfindet – moderne und traditionelle Liebe. Aber in INNOCENCE greifen sie ineinander, stärker denn je, denn es geht um Liebe im hohen Alter. Vor allem geht es aber darum, die Chance zu bekommen, seine erste Liebe wiederzuentdecken. Man liebt nie wieder in seinem Leben so wie beim ersten Mal. Dies ist auch der Grund, warum der Film INNOCENCE heißt.“

Nur drei Wochen benötigte Cox für das Schreiben des Drehbuches. Alles weitere war minimale Anpassung, mehr ein leichtes Zurechtrücken, denn Cox schrieb Julia Blake die Rolle der Claire auf den Leib.

Dann dauerte es allerdings doch einige Jahre, bis die Finanzierung des Filmes zustande kam. Cox erinnert sich, „dass jemand das Drehbuch mit nach Hollywood nahm und es dort sehr wohlwollend aufgenommen wurde. Man war daran interessiert, den Film mit Paul Newman und Joanne Woodward zu drehen. Aber mein Interesse galt einem intimen Film, der anders aussehen sollte, als ein klassisches Hollywood-Produkt.“

INNOCENCE beschäftigt sich mit einem Thema, das die Filmindustrie bis dato ignorierte: das Wiedererwachen von Sexualität im hohen Alter. Eigentlich ist es eine behutsam erzählte Liebesgeschichte. Mit dem großen Unterschied, dass die Hauptdarsteller dieses Filmes wesentlich älter sind, als man es vom gewöhnlichen romantischen Kino kennt.
„Es gibt dieses große Gefühl des Verlustes, eine Angst, die uns alle begleitet. Wird man sich dieser Angst bewusst, stellt man fest, dass man dringend ein wenig leben sollte. So jedenfalls ergeht es Claire in diesem Film. Nach 40 Jahren voller Teetassen, Marmeladekochen und Gemeinplätzen präsentiert sich ihr auf einmal das Leben. Und sie nimmt es an.“ (Cox)

Die Drehorte

Wie so häufig bestimmte die Finanzierung, wo der Film gedreht wurde. Da der Film zum Teil von der South Australian Film Corporation unterstützt wurde, spielt die aktuelle Handlung in Adelaide. Für die Rückblenden in ihre Jugendzeit wählte Cox die belgische Stadt Antwerpen. 1992 erhielt er beim Filmfestival von Gent den Grand Prix für seinen Film „A Woman’s Tale“, verbunden mit einem Preisgeld in Höhe von 4 Millionen BF. Er nutzte diese Mittel, um einen Teil von INNOCENCE zu finanzieren.

Die Schauspieler

Für Produzent Mark Patterson war es ein großes Privileg, mit so herausragenden Schauspielern wie Julia Blake, Charles Tingwell und Terry Norris zusammenarbeiten zu dürfen. Er ist sich sicher: „Wären alle drei Schauspieler Amerikaner, so würden sie heute Leinwand-Legenden sein“, und er fügt hinzu: „Es ist faszinierend, ihnen zuzuhören. Sie haben maßgeblich den australischen Film, das Fernsehen und das Theater beeinflusst. Welch ein Lebenswerk und welch eine Lebenserfahrung! Mit größter Begeisterung haben sie am Projekt mitgewirkt und vieles aus ihrem eigenen Leben ist in den Film mit eingeflossen. Man sieht und erlebt es regelrecht auf der Leinwand. Das macht es auch so leicht, mit ihnen zu lachen und zu weinen.“

Die Dreharbeiten

„Wenn man Paul bei der Arbeit zuschaut, wird einem bewusst, dass hier ein Meister des Films am Werk ist. Es ist bemerkenswert, wie er jeden Aspekt der zu drehenden Geschichte verinnerlicht und dann seine Vision mit größter Einfachheit und Klarheit auf Celluloid festhält. In einer Szene spazieren Julia Blake und Charles Tingwell an einem Seeufer und unterhalten sich darüber, warum ihre Liebesgeschichte damals endete. Es war ein schwieriger Dreh, da der Himmel wolkenverhangen war, zwischendurch immer wieder die Sonne durchbrach, aber keine Kontinuität herzustellen war. Paul ließ unendlich viele Einstellungen drehen, mit Sonne, ohne Sonne, von hier und von dort. Ich, als Produzent, grübelte schon fieberhaft darüber nach, wie wir noch einen weiteren Drehtermin einbauen könnten, um diese Szene unter besseren Konditionen noch einmal drehen zu können. Aber Paul schaute sich die Einstellungen an und meinte, die Szene lässt sich hier und dort schneiden, dann fügen wir jenes an und schon wird es sehr gut funktionieren.“ (Patterson)

„Für Julia und mich war dieser Szenendreh erstaunlich. Wir warteten auf der anderen Seite des Sees. Es war kalt, feuchte Kälte kroch von den Füssen nach oben, aber wir warteten geduldig auf die Anweisungen. Erst als wir dann den Film sahen, verstanden wir, was Paul aus der undankbaren Situation geschaffen hatte. Er hatte einige der schönsten Wolkenspiegelungen auf dem Wasser eingefangen und dafür auf den geeigneten Augenblick gewartet“, erzählt Charles Tingwell und Julia Blake fügt hinzu: „Paul Cox hat ein außergewöhnliches Gespür für das Visuelle. Es ist ein wenig, als würde man mit einem Künstler arbeiten. Man vertraut einfach seiner Vorstellungskraft. Wenn er eine Regieanweisung gibt, weiß man, dass er ein sehr klares Bild im Kopf davon hat, wie die Szene auszusehen hat. Man muss nur seinen Anweisungen folgen und ihm vertrauen.“

Die Stimmung am Set war während des gesamten Drehs sehr ausgelassen, freundschaftlich und professionell. „Nach Abschluss der Filmarbeiten“, erinnert sich Mark Patterson, „ließ Cox noch einige Voice-over erstellen. Niemand wollte so recht gehen und so suchte sich ein jeder einen Platz im Büro, mancher auch auf dem Fußboden, und wartete. Als Cox im Studio fertig war, kam er zurück ins Büro und rechnete wohl damit, dass alle nach Hause gegangen seien. Er war sichtlich berührt, als er uns sah – denn, nach Hause gehen hätte bedeutet, alles ist vorbei, und niemand von uns wollte dies. INNOCENCE gehört zu diesen ganz besonderen Filmen, bei denen alle Schauspieler, alle Mitarbeiter, das gesamte Team einfach eine wunderbare Zeit miteinander verbracht haben.“