DAS
HERZ VON JENIN
Marcus Vetter – Director’s Note
Ich wurde im Herbst 2007 von EIKON
in Berlin angerufen, ob ich in
das Projekt DAS HERZ VON JENIN
mit einsteigen wolle. Leon Geller hatte
schon 2005 die Szenen im Krankenhaus
und andere Sequenzen gedreht.
Ich habe schnell zugesagt: das Thema
reizte mich, ein weiterer Beweggrund
war, mit einem israelischen Regisseur
zusammenzuarbeiten.
Wir waren oft unterschiedlicher Ansicht,
besonders bei der Thematik und
dem Konflikt zwischen Israelis und
Palästinensern, denn Leon Geller ist
Jude. Er wollte vor allem die Beziehung
zwischen Ismael Khatib und dem drusischen
Mädchen Samah, die das Herz
des getöteten Jungen bekommen hat,
erzählen. Mein Ziel dagegen war es, alle
Stationen des Vaters bei seiner Reise zu
verfolgen und auch den Konflikt zwischen
Palästinensern und Israelis zu
zeigen.
Ganz abgesehen von dem aktuellen
Krieg in Gaza, durch den der Film eine
besondere Aufmerksamkeit bekommt
und vielleicht damit ein Zeichen des
Friedens setzt, kann DAS HERZ VON
JENIN dazu beitragen, Vorurteile abzubauen.
Das Interessante ist, dass man
im Film nur freundliche und feine Menschen
kennen lernt. Da ist zum Beispiel
diese drusische Familie, deren Tochter
das Spenderherz bekommen hat oder
die beduinische Familie mit dem fröhlichen
Vater, der immer lacht. Auch
dann noch, als er erzählt, dass sein
Haus jederzeit zerstört werden könne.
Für mich ist das gesamte Ensemble an
Protagonisten etwas ganz Besonderes
und hilft uns, den Blick für andere
Menschen und Kulturen zu schärfen.
Leon Geller – Personal Director’s Note
Der tragische Tod des zwölfjährigen
Ahmed Khatib stürzte
seine Familie in Jenin in große Verzweiflung. Doch in den
ersten entscheidenden Stunden nach seinem Tod wurde
sein Vater Ismael vor eine große Entscheidung
gestellt. Er entschied sich für
das »Leben« und verwandelte damit
wiederum sein persönliches Leid in ein
lebensrettendes Wunder. Ich hörte von
Ismaels Geschichte direkt am Morgen
von Ahmeds Tod. Und bereits am gleichen
Abend begann ich mit Filmaufnahmen
über diesen fantastischen
Gang der Ereignisse, der schließlich zu
der Operation der Kinder führte, die
inzwischen glücklich mit den gespendeten
Organen leben dürfen.
Die Familien dieser Kinder schulden Ismael
Khatib Dank, weil er ihnen Leben
schenkte; wir schulden Ismael Khatib
Dank, weil er uns Hoffnung gab. |