HEINRICH DER SÄGER
Produktionsnotizen
HEINRICH DER SÄGER war ursprünglich eine Geschichte, die irgendwo in
der deutschen Provinz spielen sollte. Aber die Geschichte holt einen manchmal
ein.
Koproduzent Ralf Kukula sah den Film mehr auf dem Gebiet der ehemaligen
DDR angesiedelt. Und dies nicht ganz ohne Grund - nirgendwo sonst fanden
in den vergangenen Jahren mehr Streckenstilllegungen statt, mußten zahlreiche
Dörfer und Städte zunehmend auf eines der wichtigsten Fortbewegungsmittel
verzichten. Der aktuelle Bezug des Themas versprach zusätzliche Schärfe
und Brisanz.
Hinzu kommt, daß dies kein wahrhaftiger Gietinger-Film wäre, wenn der
selbst aus der Provinz stammende und sich zu ihr bekennende Regisseur
aus dem Thema ein vordergründiges, humorloses und teutonisches Drama entwickelt
hätte. In der ihm typischen Arbeitsweise überhöhte er Figuren und Situationen,
ließ Skurriles und hintergründigen Witz einfließen und bedeutete Ausstattern,
Kostüm- und Maskenbildern, alles möglichst auffällig und stilisiert zugleich
erscheinen zu lassen. Jedoch sollte der Bezug zur Realität nicht verloren
gehen.
Tatsache ist beispielsweise, daß noch heute viele Bahnstrecken mit mechanischen
Signalen gesichert werden. Allerdings verkehren auf diesen Schienen von
dem uralten VT 771 Schienenbus, im Volksmund "Ferkeltaxe" oder "Blutblase"
genannt, bis zum Hochgeschwindigkeitszug ICE 3 alle Zugtypen, die der
Technologiefortschritt zu bieten hat. Die ganze Bandbreite der noch im
Streckendienst genutzten (oder bis vor kurzem verwendeten) Fahrzeuge defiliert
vor den Augen des Zuschauers über die Leinwand: von der V 100 Standard-Allzwecklok
der DB über die 212 Standardpersonenlok der RB und die legendäre Dampflok
Baureihe 50 bis zur gelben Trabi- und der VW-Bulli-Draisine.
Dieses Panoptikum, eine Augenweide für jeden Eisenbahn-Fan, ist selbstverständlich
eine Überzeichnung der wahrhaftigen Begebenheiten. Regisseur Klaus Gietinger
formuliert es so: "Wir sind stilistisch ganz bewußt und augenfällig 'altmodisch'
geblieben. Auf diese Weise kann sich der Zuschauer - wohl auch ohne in
Weinkrämpfe zu verfallen - von den Figuren lösen, die ihn in ihrer Tragik
sicherlich berühren. Auch wenn wir einen abgehobenen und zugleich barocken
Film gemacht haben, so sollte er eines jedoch nie: Der Wirklichkeit gegenüber
unernst erscheinen."
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