HAVANNA BLUES
Produktionsnotizen
Die Dreharbeiten in Kuba
HAVANNA BLUES ist der zweite Spielfilm, den Zambrano über
Kuba gedreht hat. Er hat längere Zeit auf der Karibikinsel
verbracht und an der "Internationalen Film- und Fernseh-Schule (EICTV)"
San Antonio de los Baños eine zweijährige Ausbildung als
Regisseur durchlaufen. Die dabei gemachten Erfahrungen verarbeitete er
in seinem international mit Preisen überschütteten ersten
langen Spielfilm "Solas", 1999. Auch seinen Produzenten Antonio P.
Perez hat er in Kuba kennen gelernt.
Für HAVANNA BLUES hielt Zambrano es angesichts des Themas
für angebracht, ganz neue Gesichter auf die Leinwand zu bringen.
Da in Kuba aber außer beim staatlichen Filminstitut ICAIC keine
Schauspielerdateien geführt werden und Schauspieleragenturen erst
gar nicht existieren, haben die Produzenten selbst aufwändige
Castings organisiert: insgesamt 600 Leute haben während der vier
Monaten dauernden Probeaufnahmen ihre Dienste als DarstellerInnen
angeboten; die letztendlich Verpflichteten haben in HAVANNA BLUES fast
ausnahmslos ihre ersten Filmrollen.
Für alle, die an HAVANNA BLUES mitgearbeitet haben, war
dies eine neue Erfahrung. Die Schauspieler wurden zwei Monate lang an
den Instrumenten ausgebildet, die Musiker bekamen ebenso lange
Schauspielunterricht. Auch Roberto Sanmartín (Tito) musste den
Umgang mit den Instrumenten erst erlernen. Umgekehrt war Alberto Yoel
Garcia Osorio (Ruy) Musiker, bevor er hier zum Schauspieler wurde.
Die Antwort des
offiziellen Kuba auf HAVANNA BLUES
Die Erfahrungen, die die Produktion bei den Dreharbeiten in
Kuba mit den offiziellen Stellen gemacht haben, waren durchaus
widersprüchlich. Zu den zentralen Themen von HAVANNA BLUES
gehören Emigration, Familie, Trennung, die Einsamkeit der
verlassenen Frauen, das Fehlen von beruflichen und sozialen
Perspektiven von Frauen und Männern. Trotz dieser in Kuba zum Teil
äußerst brisanten Probleme litten die Dreharbeiten nicht
unter einer staatlichen Zensur.
"Das offizielle Kuba erträgt keine Ironie und keine
Kritik. Die Offiziellen denken immer noch, lange Haare und Rockmusik
seien Zeichen der Ausgrenzung", sagt der Regisseur, betont aber
gleichzeitig, dass er bei den Dreharbeiten totale Freiheit gehabt habe.
"Nur in der Drehbuchphase wurde von offizieller Stelle Einfluss
genommen. Alles, was irgendwie mit Drogen zu tun hatte, musste raus.
Damit verschließt man natürlich die Augen vor der
Realität. Ich musste es aber akzeptieren, sonst hätten wir
nicht drehen können." Dennoch wurde die Produktion konkret mit dem
Thema konfrontiert: "Einer unserer Musiker, Gorki, wurde während
des Drehs zu vier Jahren Gefängnis verurteilt, weil er einem
Mädchen Amphetamine gegeben hat. Mit Hilfe der spanischen
Botschaft haben wir erreicht, dass wir trotz des Urteils das für
den Film wichtige Musikstück mit Gorki aufnehmen konnten. Wir
durften ihn dazu im Gefängnis besuchen.
Allerdings ist andererseits immer noch nicht klar, ob der Film je in
die kubanischen Kinos kommen wird."
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