Elsa und Fred

Produktionsnotizen- Anmerkung des Regisseurs

Eigentlich ist Fellini an diesem Film schuld.
Ich war etwa 14 Jahre alt als ich zum ersten Mal "La dolce vita" in meinem kleinen Heimatort in der Provinz von Córdoba gesehen habe. Wie die Person des Totó in dem Film "Cinema Paradiso" habe ich im Vorführraum "gelebt" und träumte, dass ich eines Tages selber einen Film drehen würde oder zumindest eine Szene wie die von Anita und Marcello an der Fontana di Trevi.

Nun sind 28 Jahre vergangen und es stimmt, dass, wenn man einem Traum beständig verfolgt, er irgendwann einmal wahr wird. So war es bei mir. Ich war mit 'meiner' Anita, 'meinem' Marcello an der Fontana di Trevi und habe 'mein' "La dolce vita" gedreht.
Das könnte Schicksal gewesen sein oder Leidenschaft, es könnten aber auch so viele andere Dinge gewesen sein... Ich war mir jedoch immer sicher, dass es eines Tages passieren würde.

Zwei Jahre nachdem ich "La dolce vita" gesehen hatte, fiel mir die Adresse von Fellini in Rom in die Hände. Ich schrieb ihm hunderte von Briefen, ohne sie je abzuschicken, weil ich dachte, Fellini würde mich nur für einen seiner vielen Bewunderer halten, die Regisseur werden wollen. Ich habe dann aufgehört zu schreiben und mir vorgenommen, an seine Tür zu klopfen, wenn mich meine Wege einmal nach Rom führen. 1989 war es dann soweit - ich habe an seine Tür geklopft. Aber niemand öffnete, weil Fellini gar nicht in Italien war. Ich war wütend auf mein Schicksal und auf Fellini und deshalb entschloss ich mich, ihm eine Notiz zu hinterlassen und ihm zu schreiben, was passiert war. Als ich zurück nach Hause kam, fand ich zu meiner Überraschung einen Brief von Fellini vor, in dem er bedauerte, dass wir uns nicht getroffen hatten. Und so begann unsere Brieffreundschaft, persönlich habe ich ihn nie getroffen. Oder vielleicht haben wir uns in dieser seltsamen Aprilnacht getroffen, als wir am Trevi-Brunnen meine Szene von Elsa & Fred drehten - während Tausende von Pilgern Papst Johannes Paul II. ihre Referenz zollten.

Dieser Film ist sowohl meiner als auch Elsas Traum. Elsa wollte immer so sein wie Anita Ekberg und mit ihrem Marcello in das kalte Wasser der Fontana di Trevi steigen.
Ich weiß, dass diese Geschichte wie eine fantastische und unmögliche Illusion scheint, aber dem ist nicht so. Jeder hat einen Traum und wenn man entschieden genug ist, wird er in Erfüllung gehen. "Es geht um das Leben, das ist die Geschichte", wie ein argentinischer Dichter sagt. Das ist auch die Geschichte von ELSA & FRED, die Geschichte einer 82-jährigen Frau, die niemals aufgehört hat zu träumen, und die eines 77-jährigen Mannes, der niemals geträumt hat, aber eines Tages aufwacht und sich entschließt zu leben.
Es ist niemals zu spät zu leben, es ist niemals zu spät zu träumen. Wir müssen uns jedoch klarmachen, dass wir leben und dass die Ideen und Träume nicht altern. Altern ist lediglich ein biologischer Prozess, der in unserem Körper passiert, nicht in unserer Seele. Picasso hat das gesagt, "Man braucht sehr lange, um jung zu werden" - und er hat Recht.