DIE EWIGEN MOMENTE DER MARIA LARSSON

Regisseur Jan Troell über seinen Film

„Jeder Film ist mein letzter“ hat Ingmar Bergmann als Vierzigjähriger geschrieben. Eine gute Haltung, wie ich finde. Und jetzt, da ich fast doppelt so alt bin, ist das, was hinter diesen Worten steckt, für mich von großer Wichtigkeit. In meinem Alter - und gerade als Filmemacher - sollte man sich sehr genau überlegen, wozu man die einem noch verbleibende Zeit und die Reste seiner Energie nutzt. Es sollte etwas Besonderes sein.
Wir haben hier ein Drehbuch vor uns, das das späte Ergebnis einer lange zurück liegenden Begegnung ist. Damals in den 80er Jahren traf meine Frau Agneta ihre Verwandte Maja, die ä lteste Tochter von Maria. Maria ist die Heldin unseres Films. Sie lebte in ärmlichen Verhältnissen, brachte im Laufe ihres Lebens sieben Kinder auf die Welt und gewann irgendwann einmal einen Fotoapparat in einer Lotterie. Agneta erkannte sofort das Besondere an der Geschichte Marias und schrieb ein Buch darüber. Mit Maja hat sie bis zu deren Tod im Alter von 92 Jahren viele Gespräche darüber geführt. Ich habe die Filmrechte an diesem Stoff erworben, weil er ganz besonderes Material über das Leben im Schweden, und damit im Europa des frühen 20. Jahrhunderts liefert. Ich bin fasziniert von der Art und Weise, wie sehr die Fotografie das Leben dieser jungen Frau bestimmt hat. Ich bin ja selbst seit frühester Jungend ein großer Bewunderer der Fotografie. Die fellinesken Figuren, die Maria und ihr Leben umgaben, und die sie auf ihren Fotos festgehalten hat, haben meine Fantasie ebenso angeregt wie die ärmlichen sozialen Verhältnisse, aus denen sie kam.
Ich bin in Limhamn, einem Arbeiter-Vorort von Malmö, aufgewachsen. Mein Vater war Zahnarzt und repräsentierte damit eine andere soziale Schicht als die, aus der meine Klassenkameraden kamen. Aber gerade aus dieser Außenseiterperspektive erkenne ich das Milieu wieder, in dem die Geschichte des Films spielt.
Es ist schon immer mein Traum gewesen, einen Film zu realisieren, der diese Umgebung zeigt und der mir die Möglichkeit gibt, die Erinnerungen und Gefühle meiner Kindheit wieder aufleben zu lassen. Marias Geschichte ist sehr eindrucksvoll. Ich bin mir sicher, dass nicht nur ich, sondern ein breites Kinopublikum Interesse daran finden wird.“
Jan Troell, im April 2006


Bio-/Filmografie

Jan Troell ist ohne Frage einer der bedeutendsten skandinavischen Regisseure. Der Schwede, der seine Filme selbst schreibt, in Szene setzt, fotografiert und montiert, ist insbesondere für seine zurückhaltenden Rhythmen bekannt.
Als Lehrer in einer Grundschule machte er zunächst Kurzfilme; später arbeitete er als Kameramann für Bo Widerberg. Sein Spielfilm-Debüt als Regisseur hatte er 1966 mit der Coming-Of-Age- Geschichte HERE’S YOR LIFE („Hier hast du dein Leben“). Zwei Jahre später drehte er WHO SAW HIM DIE („Raus bist du“). In seinen wohl bislang bekanntesten Filmen zeichnet Troell ein schonungsloses Bild vom Schicksal schwedischer Auswanderer, die Mitte des 19. Jahrhunderts ihr Glück in Amerika machen wollen: THE EMIGRANTS („Die Neubürger“, 1971) mit Oskar-Nominierungen für Bester Film, Bester Regisseur und Bestes Drehbuch und als Sequel THE NEWLAND („Das Neue Land“, 1972). Gemeinsam wurden die beide Filme als die schwedische Entsprechung zu „Vom Winde verweht“ gefeiert. Sie begründeten Troells Ruf als Regisseur, der sich aufrichtig und auf humane Weise dem Schicksal seiner Charaktere annimmt.
Nach einigen Engagements in den U.S.A. kehrte Troell 1982 mit THE FLIGHT OF THE EAGLE („Flug des Adlers“) nach Skandinavien und auch zur schwedischen Geschichte als Thema zurück. Diesem Drama um die gescheiterte Nordpol-Expedition des Ingenieurs S.A. Andree (mit Max von Sydow in der Hauptrolle) widmete Troell 1997 einen Dokumentarfilm mit dem Titel A FROZEN DREAM („Ballonfahrt in den Tod“). Weitere große Filme waren 1988 SAGOLANDET („Das Märchenland“, gelegentlich auch „Traumland – Auf der einen Seite des Regenbogens“), IL CAPITANO 1991 und AS WHITE AS IN SNOW („So weiß wie im Schnee“, 2001). Das beste Beispiel für eine echte skandinavische Koproduktion, die in allen beteiligten Ländern ein Kassenerfolg wurde, war der gefeierte HAMSUN 1996 mit Max von Sydow in der Titelrolle und Ghita Norby als Frau Hamsun.
Neben den Nominierungen zum Academy Award erhielt Jan Troell seit 1967 mehr als zwei Dutzend große nationalen und internationale Preise, darunter einen Goldenen Bären („Ole dole dof“)und einen Silbernen Bären („Il Capitano“), sowie Wettbewerbsnominierungen u.a. beim Filmfestival in Cannes.

Filme

1962 Pojken och draken, (TV ) Kamera
1963 The Baby Carriage (Barnvagen) Kamera
1965 Upphall I myrlandet (4X4) Buch, Regie, Kamera, Schnitt
1966 Here’s your life (Här har du ditt liv) Buch, Regie, Kamera, Schnitt
1968 Who saw him die? (Ole dole doff) Buch, Regie, Kamera, Schnitt
1971 The Emigrants (Utvandrarna) Buch, Regie, Kamera, Schnitt
1972 The New Land (Nybyggarna) Buch, Regie, Kamera, Schnitt
1973 Gamen (TV) Regie
1974 For Better or Worse (Zandy’s Bride, TV) Regie
1977 Bang! Buch, Regie, Kamera, Schnitt
1979 Forbidden Paradise (Hurricane) Regie
1982 The Flight of the Eagle (Ingenjör Andrées luftfärd) Buch, Regie, Kamera
1988 Land Of Dreams (Sagolandet) Buch, Regie, Kamera, Schnitt
1991 Il Capitano Produzent, Buch, Regie, Kamera, Schnitt
1996 Hamsun Buch, Regie, Kamera, Schnitt
1997 A Frozen Dream (En frusen dröm) Buch, Regie, Kamera, Schnitt
2000 Fran Sverige i tiden Regie
2000 92,8 MHz – drömmar i söder Regie
2001 As White as in Snow (Sa vit som en snö) Buch, Regie, Kamera, Schnitt
2003 Presence (Närvarande) Regie
2004 Visions of Europe (Segment eines Kompilationsfilms, weitere Regisseure/innen: Fatih Akin, Barbara Albert, Peter Greenaway, Aki Kuarismäki, Bela Tarr, Theo van Gogh, Teresa Villaverde...)