Der Traum

Produktionsnotizen - der Regisseur über seinen Film

Als ich im Jahr 2004 inmitten von 250 lautstarken Kindern im Schulhof von Ærøskøbing stand fühlte ich mich in eine lange vergangene Zeit zurückversetzt. Damals stand ich selber im Schulhof und feierte eine Freiheit, die wir gerade gewonnen hatten. Das war ein seltsames und intensives Erlebnis - ich musste zwei Mal schlucken, bevor ich die Szene drehen konnte.

Es war fantastisch, nochmals die Atmosphäre des Jahres 1969 hervorzurufen, denn es ist ein Jahr, das mich selbst sehr geprägt hat. Man könnte "Der Traum" einen persönlichen Film nennen. Meine anderen Filme sind zwar auch persönlich, aber dieser wurde ganz stark von meiner Erinnerung an diese Zeit beeinflusst. Ein Großteil der Geschichte und viele Charaktere des Films haben ihren Ursprung in tatsächlichen Ereignissen und in Menschen aus dieser Zeit und aus dem Ort, an dem ich aufwuchs.

Von Anfang an war mir klar, dass "Der Traum" für mich ein sehr wichtiger Film werden würde - vielleicht ist er sogar der wichtigste. Die Geschichte hat schon lange irgendwo in meinem Kopf existiert bevor ich Mitte der 90er Jahre "Portland" drehte. Zu der Zeit war ich allerdings noch zu 'rebellisch' und 'provokant' und wollte erst noch einen Film machen, der nicht so 'nett' wie die übrigen dänischen Filme war. Nun bin ich reifer geworden und sensibler, weshalb "Der Traum" eine andere Art Film darstellt als "Portland" oder "Chop Chop".

"Der Traum" ist ein klassisches Stück, das vor allem von seiner Geschichte, seinen Schauspielern und den Emotionen lebt. Kurz zusammengefasst ist es die Geschichte des 13-jährigen Frits, der motiviert von der Bürgerrechtsbewegung Martin Luther Kings, den Mut hat, seinen Schulleiter Lindum Svendson wegen Körperverletzung anzuzeigen. Frits zur Seite stehen sein Vater Peder, seine Mutter Stine und Freddie, ein junger idealistischer Lehrer, der noch in der Probezeit ist. Ihr gemeinsamer Kampf für Gerechtigkeit erschüttert die Fundamente der ruhigen, ländlichen Gemeinde. Der Mut vieler Menschen wird auf den Prüfstand gestellt werden, bevor der Streit gewonnen wird.
Im Film spielen vielfältige Gefühle eine Rolle. Manche sind leicht und liebevoll wie die Hitze, die über dem Asphalt eines heißen Sommertags wabert. Manche sind kalt und beängstigend wie der Winternebel, der eine gefrorene Landschaft einhüllt. Denn die Liebe der Familie, die zarte erste Liebe zweier junger Menschen und dieser Sommer, der so warm war, dass man ihn immer noch in der Seele spüren kann, haben als Antwort den Hass einer Person, die über totalitäre Kräfte verfügt. Die Angst vor einem katastrophalen Ende und davor, den Kampf alleine aufnehmen zu müssen, beschäftigt die Sinne, während sich die Geschichte entwickelt.
Viel Vergnügen!

Niels Arden Oplev
Mai 2005