Beijing Bicycle
Produktionsnotizen - Bemerkungen des Regisseurs
Das
Fahrrad
Das Fahrrad war immer schon eines der Wahrzeichen Beijings, wenn nicht
ganz Chinas. Über Jahre hinweg war es das einzige Fortbewegungsmittel
der ganzen Familie. Als ich klein war, war die Tatsache, mehrere Räder
zu besitzen, ein Zeichen von Wohlstand oder von Pfiffigkeit. Vor der Zeit,
als sich China öffnete, war der Status einer Familie daran abzulesen,
ob man die "4 Großen" besaß: eine Uhr, eine Nähmaschine,
ein Radio und ein Rad. Heute sind die "4 Großen" nicht
mehr dieselben.
Obwohl das Rad einiges von seinem Ruhm eingebüßt hat, ist es
immer noch ein wichtiges Fortbewegungsmittel geblieben, denn es gibt nach
wie vor wenig Motorräder oder Autos. Es ist nicht mehr der Gegenstand,
den sich alle wünschen, dennoch gibt es das Bedürfnis danach,
da man es täglich braucht, auch wenn man es gerne ersetzen würde.
Im Unterschied zur Nähmaschine oder zum Radio ist das Rad nach und
nach zu einem Symbol für 'Mangel an Wohlstand' geworden.
Guei, der Kurier, verfügt über ein Rad; für ihn ist es
das Zeichen einer sozialen Entwicklung und ein wichtiger Unterschied im
Vergleich zu seinem Leben auf dem Dorf. Jian, obwohl auf der höheren
Schule, stammt aus einer bescheidenen Familie, die immer noch staunend
vor einem Fahrrad steht und für die der Kauf eines solchen eine wichtige
Entscheidung darstellt. Jians Liebe für das Rad übersteigt sein
eigentliches Bedürfnis. Sein Wunsch, es zu besitzen, ist durch den
Stolz begründet, den er vor seinen Freunden empfindet.
Der Kurier und der Schüler
In China sind die Unterschiede zwischen der Stadt und dem Land riesig,
die Bauern träumen von einem Stadtleben, von dem sie glauben, dass
es reich und schön ist. Guei ist einer von ihnen. Die Suche nach
Geld und nach allem, was materiell ist, ist seine einzige Motivation.
Das Rad ist nun also nicht nur ein notwendiges Werkzeug für sein
tägliches Überleben, sondern auch die Bestätigung seines
Stadtlebens. Jian ist nicht reich, aber die Tatsache, in der Stadt zu
leben, reicht ihm aus. Er ist ein Rebell und ein Schwächling, so
schwach, dass er sich nur mit einem Ziegelstein und mit Hilfe seiner Kameraden
durchzuschlagen weiß; die traditionellen Werte machen für ihn
keinen Sinn mehr; die funktionelle Rolle des Fahrrads wurde durch Stolz
ersetzt, denn sein Besitz verleiht ihm die Würde, die ihm fehlt.
Beijing (Peking)
Beijing ist eine Stadt mit vielen Kontrasten: Höfe, Gassen, in denen
man sich verliert, alte Menschen, die sich sonnen, traditionelle Dächer.
Und in anderen Viertel moderne Gebäude und die Bewegungen einer großen,
modernen Metropole. Aber es gibt immer weniger Gassen; Orte, an denen
wir filmen konnten, gab es nur wenige. Wir mussten oft den Drehort wechseln.
Für die Verfolgungsszenen wollte ich jedes Mal den Aufnahmewinkel
ändern, aber wir konnten nicht die ganze Zeit dieselben Orte verwenden.
Wir mussten jedesmal mit den Bewohnern und den Organisationen von Neuem
sprechen. Mir ist klar geworden, dass dieser malerische Aspekt der Stadt
im Begriff ist, zu verschwinden, obwohl mir gleichzeitig bewusst ist,
dass die Bewohner dieser Viertel das Recht auf bessere Lebensbedingungen
haben.
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