BEFORE NIGHT FALLS

Produktionsnotizen - Julian Schnabel über den Film

"Ich entdeckte Reinaldo Arenas drei Jahre nach seinem Tod. Er ist jemand, dem ich in New York City zu Beginn der 80er Jahre vielleicht auf dem Türabsatz eines Fotografen, der unsere Porträts machte, hätte begegnen können. Seine einmalige Qualität war, dass er die Grosse Rote Hoffnung war, ein großer, von der Revolution geschulter Schriftsteller. In Kuba schwul und Schriftsteller zu sein war eine verdammenswürdige Kombination, und er wurde für diese 'köstlichen Laster', wie Reinaldo sie nannte, systematisch verfolgt. Die unerschütterliche Hingabe an seine sehr freizügige innere Stimme brachte ihn für zwei Jahre ins Gefängnis von El Morro.
Ich sah 1993 eines Tages in Florida einen Dokumentarfilm, in dem Reinaldo interviewt wurde. Ich dachte mir, wenn ich wieder einen Film mache, dann über ihn.
BEFORE NIGHT FALLS ist nicht nur die Interpretation von Arenas gleichnamiger Autobiografie, sondern integriert auch Bilder aus andern Schriften sowie Geschichten seines langjährigen Freundes Lázaro Gómez Charriles. Reinaldo schrieb über zwanzig Bücher. Es ist mir ein Privileg, Reinaldos Stimme auf Film zu bringen. Ich glaube, er spricht für viele Menschen, für viele Kubaner, die wir nie hörten, seine Stimme ist eine unverschämte Stimme, voller Humor, eine, die Leiden in große Schönheit umgewandelt hat.
Aus einem Leben gepflastert mit Schwierigkeiten entstand eine der talentiertesten Stimmen Lateinamerikas. Sein immenses Talent war ein Stachel in Castros Flanke. Obwohl er verarmt und einsam und fern seiner Heimat starb, ist er vielen ein Sinnbild von Ausdauer und Hoffnung."